Individuelle Route “Die Altstadt von Klaipėda”

Route Typ: historisch
Abstand: 4,5 km
Dauer: ca. 2 Std.

Wir bieten Ihnen an, diese Route am Theaterplatz (1), einem der repräsentativsten Plätze dieser Stadt, zu beginnen.

Im 17. Jh. verlief hier der Schutzgraben der Burg und auf der linken Seite verlief das Flussbett vom Fluss Dangė. Im 19. Jh. wurde ein Teil des Schutzgrabens zugeschüttet. Dann begann man an dieser Stelle zu bauen und so entstand im Laufe der Zeit dieser Platz. Bis ins 20. Jh. befand sich auf der Platzmitte ein Handelsplatz, der den Namen – der neue Marktplatz trug. Seit dem 19. Jh. steht hier das Theater, in dem viele bekannte Personen, wie z. B. Richard Wagner, der im Jahr 1837 hier verweilte und das Theaterorchester R. Wagner dirigiert hat, als er mit der Königsberger Oper unterwegs war.

Der Höhepunkt des Theaterplatzes ist das Denkmal aus dem Jahr 1912, das dem in Klaipėda geborenem Dichter und dem Professor an der Universität von Königsberg Simon Dach (1605-1659) gewidmet ist.
Die zentrale Figur des Platzes – „das Ännchen von Tharau“ ist eine Figur aus seinem bekanntesten Gedicht, das später zum Lied wurde.

Passieren Sie den Theaterplatz (das Denkmal für „Ännchen von Tharau“ bleibt rechts); anschliessend kommen Sie auf die -Pilies Strasse-. Passieren Sie diese Strasse an der Ampel und gehen dann solange weiter, bis Sie eine kleine Drehbrücke erblicken.

Die Drehbrücke über den Schutzgraben der Burg ist heute ein technisches Denkmal. Die Brücke (2), auch Kettenbrücke genannt, wurde im Jahr 1855 erbaut und ist heute noch in Betrieb. Wenn diese Brücke von 2 offiziellen Personen zu bestimmten Tageszeiten gedreht wird, können kleine Schiffe sowie Yachten in den Burghafen ein- und ausfahren. Diese Drehbrücke ist aufgrund ihrer Konstruktion einzigartig in Litauen und Europa.


Gehen Sie über die Drehbrücke, dann am Dangeufer bis zum Terminal für Marine- und Kreuzfahrtschiffe entlang (3).

Das Terminal für Marine- und Kreuzfahrtschiffe (3) besteht seit 2003. Es ist eine Anlegestelle für grosse Kreuzfahrtschiffe und ein beliebter Treffpunkt für die Stadtbewohner sowie Gäste der Stadt. Hier steht die Skulptur „Der Kindheitstraum“ (ein winkender Junge mit einem kleinen Hund), die die wichtigsten Kindheitsträume verkörpern soll. Diese Skulptur (Bildhauer S. Jurkus) begrüsst alle Schiffe, die in den Hafen einlaufen und dann wieder den Hafen verlassen.

Nachdem Sie den Haffanblick und den Blick auf die Schiffe genossen haben, nehmen Sie Richtung Altstadt einen anderen Weg – am Burgberg entlang.

Der Fluss Dange soll auf der linken Seite bleiben, dann anschliessend ca. 200 m entlang dem Terminal für Marine- und Kreuzfahrtschiffe gehen und danach sehen Sie auf der rechten Seite ein Denkmal des industriellkulturellen Erbes – eine Helling (4) also eine schräg abfallende Fläche, auf der Schiffe beim Stapellauf zu Wasser gelassen wurden.

Mitte des 19. Jh. entstand zwischen dem Schutzgraben der Burg und dem Kurischen Haff eine Werkstatt für Schiffbau und Reparatur, die einer Hamburger Genossenschaft gehörte und später durch Herrn Paul Lindenau übernommen worden ist. Hier wurden Ausflugsdampfer, Schlepper, Eisbrecher, Tankschiffe und Maschinen gebaut. Die Anlagen und Gebäude der ehemaligen Lindenau-Werft stehen heute unter Denkmalschutz. Das bedeutenste Objekt in dieser Schiffsbau-Werft, das auch heutzutage noch besteht, ist das grosse Helgenkrangerüst von Blohm & Voss (1910) mit einer Slipanlage.

Sie biegen hinter der Helling nach rechts ab und gehen auf den Burgberg und dem Burgmuseum (5) zu.

Das gegenwärtige Burgmuseum von Klaipėda befindet sich am Burgberg von Klaipėda. Sie können sich hier mit dem Bau und den Daten der ehemaligen Burganlage von Klaipėda, die damals -Memelburg- hiess, vertraut machen. Die Stadt feiert hier jedes Jahr am 1. August ihren Geburtstag. Gleichzeitig finden hier verschiedene Vorführungen statt.

Gehen Sie nach dem Burgberg oder/und dem Besuch des Burgmuseums in Richtung -Pilies Strasse-, an der Ampel über die Strasse und ca. 200 m die gepflasterte -Daržų Strasse weiter und nach links (-Aukštoji Strasse-)(6).

Die -Aukštoji Strasse-. Hier sehen Sie den ältesten und den höchsten Fachwerkbau – einen Speicher (Aukštoji Str. 3). Seine Höhe beträgt 16 m. Damals wurde in diesem Speicher Leinsamen gelagert und weiter in die Welt exportiert.

Die Popularität des Fachwerks wird im 19. Jh. durch die vielen Fachwerkbauten, insbesondere in diesem Stadtteil, d. h. zwischen der -Didžioji vandens Strasse- und der -Turgaus aikštė-, bestätigt.

Die -Aukštoji Strasse- verläuft nach rechts, wo weiter die – Didžioji Vandens Strasse- beginnt (7).

Die -Aukštoji Strasse- (dt. die Hohe Str.) Man kann anhand des Strassennamens vermuten, dass hier mal ein Nebenarm des Flusses Dange verlief, der später, aufgrund der Stadterweiterung im 17.-18. Jh. zugeschüttet wurde. Heute befindet sich in dem Kaufmannshaus aus dem Jahr 1774 (Didžioji vandens Str. 6) das Museum für Geschichte von Klein-Litauen. Heutzutage werden hier archäologische Fundsachen, Exponate aus dem Stadtleben im 19.-20. Jh., historischen Unterlagen über das Klein-Litauen und dem Kreis Klaipėda sowie verschiedene Fotos ausgestellt.

Sie kommen nach dem Museum für Klein-Litauen, an der ersten Ecke nach rechts und ca. 50 m weiter, auf einen Innenhof zu.

Hier, inmitten von alten Lagerhäusern,befindet sich das Zentrum für Kulturen-Kommunikation, das ethnografische Zentrum und viele Künstlerateliers (8). Im Sommer finden hier verschiedene Künstler-Workshops statt. Man darf den Künstlern bei der Herstellung von Holz,- Keramik,- und Textilkunstwerken zuschauen.

Nach dem Gang durch den Innenhof kommen Sie wieder in die -Daržų Strasse-, dann nach links und ca. 50 m rechts werden Sie das Museum für Schmiedekunst (Šaltkalvių Str. 2, 2a) (9) sehen.

Seit 1974 fand eine systematische Vernichtung der alten Friedhöfe statt, d. h. die dort vorgefundenen Kreuze oder Gitter aus Metall sind einfach verschrottet worden. Herrn Dionyzas Varkalis, einem Schmied und Restaurator aus Klaipėda, ist es damals gelungen, sämtliche Metall-Gegenstände aus den verschiedenen Friedhöfen zu retten und sie aufzubewahren. Anschliessend stiess Herr Dionyzas Varkalis in einem verfallenen Gebäude in der Altstadt von Klaipėda auf die Schmiede des in Klaipėda bekannten Schmiedes Herrn Gustav Katzke, in der noch authentisches Werkzeug und Einrichtung des alten Meisters vorzufinden waren. 1992 wurde hier das Museum für Schmiedekunst eröffnet, welches das Werk der Schmiedekunst wiederbelebt. Im Innenhof des Hauses ist eine Ausstellung – Kreuze und Gitter der früheren hiesigen Friedhöfe – zu besichtigen.

Gehen Sie die -Daržų Strasse- weiter, an der ersten Ecke links (Vežėjų Str.) halten, dort werden Sie das Puppen-Theater (10) von Klaipėda sehen.

Heutzutage sind die Puppen und die Künstler des Puppen-Theaters von Klaipėda in einem historischen Fachwerk-Haus mit einer Gartenanlage zu Hause. Der Theater-Saal ist zwar klein (nur für ca. 70 Zuschauer), dafür besticht er jeden Besucher mit seiner Gemütlichkeit sowie künstlerischen Atmosphäre. Dieses Theater gehört zu den jüngsten, innovativsten und ambiziösesten professionellen Puppen-Theaternhäusern Litauens.

Gehen Sie die -Vežėjų Strasse- weiter und Sie kommen auf die -Turgaus Strasse- zu, wenden Sie sich nach rechts, über die Ampel, und Sie sehen rechts, ca. 100 m weiter, einen zugewachsenen Hof, in dem es ein Hinweisschild auf eine ehemalige Kirche (11) gibt.
1706 entstand am Ende der -Turgaus Strasse-die evangelisch-lutherische St. Johanniskirche, die damals zu den schönsten Kirchen Ostpreussens zählte. Sie wurde im 2. Weltkrieg beschädigt und leider später abgerissen.
Heute sehen Sie anhand der Hecke den Platz, wo diese Kirche gestanden hat. Es gibt Pläne, diese Kirche wieder aufzubauen. 2012 wurde aus diesem Anlass an dieser Stelle ein Grundstein gelegt.

Sie gehen weiter und sehen in ca. 100 m den „Jono kalnelis“ (dt. Jonas Hügel)(12).

Auf dem „Jono kalnelis“ befindet sich der Rest einer Fortifikations-Anlage in Klaipėda, die damals aus drei verschiedenen Arealen bestand: den Wehrwallen mit Poternen, den Ravelinen (Wehrinseln, die zum Schutz der Zwischenräume zwischen den Bastionen dienten) und den Fossen (wassergefüllte Schutzgräben).

Es steht in den historischen Quellen geschrieben, dass die Stadt Anfang des 17. Jh., unter der Leitung des Ingenieurs Ch. Rose, mit Befestigungen des holländischen Typs umbaut wurde. So sind 3,5 m hohe Bastionen und Wälle aufgeschüttet und anschliessend die Fossen ausgegraben worden. Befestigungen von dieser Grösse werden der Kategorie der grossen königlichen Befestigungen zugeordnet.

Sie gehen nach dem „Jono kalnelis“ weiter links, dann sehen Sie den Fluss Dange und dort das frühere Segelschulschiff -Meridianas- (13).

Das Segelschiff -Merdianas- gehört zu den Wahrzeichen Klaipėdas. Es wurde als Kadettenschulungsschiff 1948 in Finnland als Segelschiff gebaut, dann für die Seemannsschule in Klaipėda eingesetzt und hat somit vielen Kapitänen der Nachkriegszeit als erstes Schiff gedient. 2014 wurde dieses Segelschiff generell überholt. Seitdem befindet sich an Bord ein beliebtes Restaurant.

Hinter dem Segelschiff -Meridianas- liegt Biržos tiltas (dt. Börsenbrücke)(14).

Diese Drehbrücke war bis zur zweiten Hälfte des 18. Jh. von strategischer Bedeutung. Sie wurde durch einen aufgeschütteten Ravelin auf der rechten Seite geschützt. Die Börsenbrücke stellte eine wichtige Einnahmenquelle für die Stadt dar: jedes Schiff, das die Brücke passierte musste eine Brückensteuer entrichten.

Dann wurde in der Mitte die Brückentafel dieser Holzbrücke gedreht, damit die hohen Schiffsmasten passieren konnten. Und so war die Börsenbrücke bis Mitte des 19. Jh. die einzige Transitbrücke in der Stadt.
Die Brücke wurde im 2. Weltkrieg zerstört. 1948 wurde eine neue Brücke an der gleichen Stelle errichtet.

Gehen Sie über die Brücke, dann nach links, über die Strasse, dann ca. 100 m weiter.

Das erste Gebäude in der -Danes Strasse ist das Rathaus (15).

Das Rathaus. Es war das schönste Gebäude in der Stadt. Erbaut im Stil des Klassizismus. 1802 weilten hier der preussische König Friedrich Wilhelm III. und der russische Zar Alexander I. 1807. Als Klaipėda (dt. Memel) zur provisorischen Hauptstadt Preussens wurde, residierte in diesem Haus die königliche Familie (König Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Königin Luise), und somit wurde dieses Haus zur provisorischen königlichen Residenz. Heutzutage befindet sich hier der Sitz des Oberbürgermeisters.

Überqueren Sie in der Höhe des Rathauses die Strasse, dann nach links bis zu der ampelgeregelten Kreuzung, die Sie 2 mal passieren müssen (erst die -Naujojo sodo Strasse-, dann nach rechts abbiegen und anschliessend in die -H. Manto Strasse-). Danach gehen Sie die-Liepų Strasse- entlang.

Die -Liepų Strasse- (16) enstand im 16.-17. Jh., als die Stadt über das andere Ufer des Flusses Dange erweitert wurde. Ende des 18. Jh. entstand hier eine Linden-Allee, die später der Strasse den Namen verlieh. Der Strassenname ist häufig geändert worden. Die Strasse hiess u. a.: der Gänsemarkt, die Alexanderstrasse, die Liepų gatvė, die Smetonos alėja, die Adolf Hitler-Strasse, die Maxim-Gorki-Strasse. 1988 bekam die Strasse ihren authentischen Namen wieder zurück. Sie zählt auch heutzutage zu den schönsten Strassen dieser Stadt. Der Grund dafür sind die vielen Häuser in den verschiedensten Baustilen sowie die Stadtvillen der betugten Stadtbürger aus dem 19. Jh., wo heute Museen (das Uhrenmuseum in der -Liepų Strasse-), Banken sowie Restaurants anzutreffen sind.

Ca. 250 m weiter, auf der Liepų Strasse rechts, erstreckt sich ein imposantes Gebäude – die Alte Hauptpost (17).

Das Gebäudeensemble der alten Post stammt aus dem Jahr 1893. Das Ensemble des Postamtes wird von 2 zweistöckigen Gebäuden mit Mansarden und 2 einstöckigen Gebäuden an beiden Seiten des Hauses (in dem einen befanden sich ein Lagerhaus und ein Gestüt, in dem anderen wurden die Postkutschen abgestellt) gebildet.
Das Exterieur des Hauses weist 3 Architekturstile auf: Neogotik, Klassizismus und Jugendstil. In dem 42 m hohen Turm befindet sich ein Glockenspiel – das Carillion. Es ist das grösste Carillion in Litauen.
Jeden Freitag, Samstag und Sonntag klingt hier am 17 Uhr die Glockenmusik.

Gehen Sie 450 m weiter auf der Strasse geradeaus. Auf der linken Seite erreichen Sie den Skulpturenpark.

Unser Vorschlag: Schliessen Sie bitte Ihre Route mit dem Spaziergang durch den Skulpturenpark ab.

Der Skulpturenpark (18) befindet sich auf dem ehemaligen städtischen Friedhof. Er wurde von den Sowjets eingeebnet und 1977 enstand an dieser Stelle ein Park, der mit den Werken von litauischen Bildhauern ausgestattet wurde.

Ungefähr 10 Jahre lang wurden die Skulpturen in einem Sommerferienlager in Smiltynė angefertigt. Heutzutage befinden sich auf dem Gebiet von 10ha 116 verschiedene Skulpturen, die von 61 Bildhauern angefertigt worden sind.