Am Mittwoch, dem 22. Juli, um 18 Uhr wird in der Nischen-Galerie, die in der Ieva-Simonaitytė-Öffentlichen Bibliothek des Landkreises Klaipėda untergebracht ist, die Einzelausstellung „Ungelesener Strom“ von Agnė Matulionytė eröffnet. In ihrer neuesten Serie grafischer Arbeiten untersucht die Künstlerin das Verhältnis zwischen Text und Bild, wenn Wörter ihre Lesbarkeit verlieren und zu visuellem Material werden. Die Typografie wird in diesen Werken nicht nur zur Form des Textes, sondern auch zu einem Mittel der Bildgestaltung – Buchstaben verwandeln sich in rhythmische Linien, Schichten und Texturen, die an die Meeresoberfläche erinnern. Die Spuren der Buchstaben wogen, fließen wie ein Strom, toben in dunklen Wellen oder zerfallen im Sonnenlicht. In der Ausstellung offenbart sich das Meer nicht als Landschaft, sondern als sich ständig wandelndes Zeichensystem, in dem sich die gelesene Sprache allmählich in ein abstraktes Bild verwandelt.
Die Werkreihe entstand während des Künstleraufenthalts „Malmö–Klaipėda“. Bereits vor ihrer Abreise suchte die Künstlerin nach einer Verbindung zwischen den beiden Küstenstädten und nach einer Möglichkeit, das Werk des schwedischen Schriftstellers Bengt Adler visuell zu interpretieren. „Sowohl Klaipėda als auch Malmö sind Küstenstädte, weshalb das Meer zu einem natürlichen verbindenden Motiv zwischen Text, Ort und Bild wurde“, erklärt A. Matulionytė.
Die ersten Arbeiten entstanden als kleine Skizzen, mit denen versucht wurde, das Werk zu illustrieren und dessen Atmosphäre wiederzugeben. Nach ihrer Rückkehr aus dem Künstleraufenthalt beschloss die Künstlerin jedoch, die Idee weiterzuentwickeln – größere Formate, Farbe und die vielfältigen Möglichkeiten grafischer Techniken auszuprobieren. So entstand eine einheitliche Serie, in der der sich wiederholende manuelle Druckvorgang zum wichtigsten kreativen Werkzeug wird.
„In dieser Serie wird die Beziehung zwischen Typografie, Rhythmus und natürlichen Formen untersucht. Durch einen sich wiederholenden manuellen Druckvorgang werden Textelemente in abstrakte Landschaften verwandelt, die an Wasseroberflächen, Strömungen oder atmosphärische Phänomene erinnern“, so die Künstlerin. In den Werken verändert sich das Meer ständig – es kann stürmisch oder vollkommen ruhig sein, mit dem Himmel verschmelzen, in Reflexen schimmern oder still plätschern. In diesem Wandel verliert die Sprache allmählich ihre Lesbarkeit und nimmt eine neue – visuelle – Gestalt an.
Das maritime Thema dient hier nicht der Illustration. Laut der Autorin offenbart es sich als „ein sich wandelndes, ununterbrochenes System aus Zeichen und Rhythmen, in dem das Meer nicht direkt dargestellt, sondern als abstrakte Sprache wahrgenommen wird“. Buchstabenstempel dienen nicht mehr als Mittel zur Textwiedergabe, sondern zum Material für die Bildgestaltung – die Zeichen verlieren ihre semantische Bedeutung und verwandeln sich in Texturen, die an die Bewegung der Wellen, das Rauschen der Wasseroberfläche oder fragmentarische Strömungen erinnern.
Die Bildsprache dieser Werke basiert auf Schichtung, Wiederholung und Fragmentierung. „Buchstaben werden, anstatt Informationen zu vermitteln, zu einem Material, mit dem die Meeresoberfläche als sich ständig veränderndes Bild modelliert wird. Auf diese Weise entsteht eine Grenze zwischen Text und Landschaft, an der das Meer nicht mehr als Abbild, sondern als Prozess erscheint“, fasst die Künstlerin ihre künstlerischen Prinzipien zusammen.
Die Ausstellung „Unlesbarer Strom“ in der Nišinė-Galerie ist noch bis zum 5. September zu sehen.
Über die Autorin:
Agnė Matulionytė wurde in Klaipėda geboren. Ihren Bachelor-Abschluss erwarb sie an der Klaipėda-Fakultät der VDA. Seit 2009 veranstaltet sie Einzelausstellungen und nimmt seit 2006 an Gemeinschaftsausstellungen teil. Seit 2013 ist sie Mitglied des litauischen Künstlerverbandes. Sie lebt und arbeitet in Klaipėda.
Öffnungszeiten der Galerie: montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr. Sonntags und an gesetzlichen Feiertagen ist die Galerie geschlossen. An Tagen vor Feiertagen schließt die Galerie eine Stunde früher.
Während der Veranstaltung wird fotografiert und gefilmt. Wir weisen darauf hin, dass die Teilnehmer auf Fotos und in Videoaufnahmen zu sehen sein können, die zu Werbezwecken für die Veranstaltung in verschiedenen Medien veröffentlicht werden.