Arvo Pärt ist einer der wenigen Komponisten, deren Musik bereits nach wenigen Tönen wiedererkennbar ist. Es überrascht nicht, dass seine Musik seit mehreren Jahrzehnten weltweit zu den am häufigsten aufgeführten Werken zeitgenössischer Komponisten zählt. Der estnische Komponist, der nun seinen 90. Geburtstag feiert, wurde zu einem weltweiten Phänomen, indem er einen Weg einschlug, der auf den ersten Blick im Widerspruch zu seiner Zeit stand. Als die Musik nach immer neuen und komplexen Formen suchte, wandte sich A. Pärt der Einfachheit und der Stille zu.
Bevor er seinen eigenen Tintinnabuli*-Stil entwickelte, beschäftigte sich A. Pärt mit verschiedenen Musikrichtungen des 20. Jahrhunderts und vertiefte sich später zunehmend in die Alte Musik, den gregorianischen Choral und die Polyphonie. Er wandte sich nicht von der Vergangenheit ab, strebte jedoch auch nicht danach, sie zu wiederholen. Diese unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen bildeten die Grundlage für eine Sprache, die heute von Zuhörern auf der ganzen Welt verstanden wird.
Die Pianistin Onutė Gražinytė und der Cellist Edward King werfen in ihrem anlässlich des Pärt-Jubiläums zusammengestellten Programm einen umfassenderen Blick auf den Komponisten – durch die Brille jener Schöpfer, in deren Musik sich ihm nahe stehende Ideen entdecken lassen. In den Werken von Johann Sebastian Bach offenbaren sich klare Form und innere Ordnung, in der Musik von Olivier Messiaen ein ganz eigenes Zeitgefühl und spirituelle Suche, und in der Sonate von Alfred Schnittke das Aufeinandertreffen unterschiedlicher musikalischer Welten. Die neben diesen Werken erklingenden Stücke „Fratres“ und „Spiegel im Spiegel“ werden daran erinnern, dass manchmal nicht die Fülle der Klänge den größten Eindruck hinterlässt, sondern die Fähigkeit, das zu hören, was zwischen ihnen verborgen liegt.
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