Manchmal kann eine einzige Begegnung nicht nur den kreativen Werdegang eines Menschen, sondern auch die Musikgeschichte verändern. So erging es dem jungen Argentinier Ástor Piazzolla, als er in Paris die legendäre Pädagogin Nadia Boulanger traf. Da er eine Karriere als Komponist klassischer Musik anstrebte, verbarg A. Piazzolla lange Zeit seine Liebe zur Tangomusik; doch gerade N. Boulanger ermutigte ihn, sich dem zuzuwenden, was das wahre Wesen seines Schaffens ausmachte. So entstand die Strömung des „Tango Nuevo*“, in der sich die argentinische Tango-Tradition mit den Prinzipien der klassischen Musik und den neuen Ideen des 20. Jahrhunderts verband.
Neben dieser Geschichte eröffnen sich im Programm auch weitere Verbindungen zwischen Musik und Wort. André Previn’s Liederzyklus nach Texten der Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison offenbart die Fähigkeit des Komponisten, Pianisten und Dirigenten, poetische Texte einfühlsam in Musik umzusetzen. Werke von Gabriel Fauré und anderen Komponisten führen die Tradition der französischen Kammermusik fort, in der subtiler Ausdruck, die Schönheit der Melodien und das gegenseitige Einfühlungsvermögen der Interpreten eine wichtige Rolle spielen.
Dieses Programm wird von drei herausragenden litauischen Musikern präsentiert – der Sopranistin Asta Krikščiūnaitė, dem Cellisten Gleb Pyšniak und der Pianistin Milda Umbrusevičiūtė. Die Künstler verschiedener Generationen verbinden langjährige Bühnenerfahrung, ein Gespür für die Nuancen der Kammermusik und die Fähigkeit, eine enge Verbindung zum Publikum herzustellen.
* „Tango Nuevo“ (spanisch für „Neuer Tango“) ist eine progressive Bewegung, die in den 1980er Jahren entstand. Sie hat den traditionellen argentinischen Tango grundlegend verändert, indem sie Elemente des zeitgenössischen Tanzes, des Jazz und der klassischen Musik einbezog.
Asta Krikščiūnaitė (Sopran), Milda Umbrusevičiūtė (Klavier), Gleb Pyšniak (Cello)
Programm: A. Previn, G. Fauré, K. Brundzaitė, N. Boulanger, Á. Piazzolla