Für Kinder ist der Innenhof eines Mehrfamilienhauses ein Ort, an dem alles Mögliche passieren kann. Für Erwachsene ist er oft nur der Weg vom Auto bis zur Haustür. Selbst Theatermacher, die den Innenhof fotografieren, werden von den Kindern mit „Google Maps“ unterstützt. „KiemArta“ möchte herausfinden, was passieren würde, wenn wir unseren Innenhof wieder mit den Augen eines Kindes betrachten würden. Am 27. August wird in den Innenhöfen von Bandužiai das litauische Volksmärchen „Der knochige Alte auf dem eisernen Berg“ zur Straßentheateraufführung „Bis ich nach Hause komme“ werden.
Am 27. August werden zwischen den roten Mehrfamilienhäusern von Bandužiai der „Knochenalte“, die Schwäne, die Vogelmutter und weitere Helden litauischer Volksmärchen erscheinen. Die Bühne wird kein Theatersaal sein, sondern ein echter Innenhof – mit Balkonen, Blumenbeeten, einem Kinderspielplatz, Autos und Nachbarn. Mehr als vierzig junge Künstler der Litauischen Musik- und Theaterakademie, der Kunstakademie Vilnius und der Technischen Universität Kaunas arbeiten zehn Tage lang gemeinsam an der Inszenierung des Stücks „Bis ich nach Hause komme“.
Der Dramatiker Simas Zokaitis bezeichnet dieses litauische Volksmärchen als eine Art litauische Heldensaga: „Es ist sozusagen eine litauische Superhelden-Version. Die Avengers. Jonas Basanavičius hat ein Potpourri litauischer Märchen zusammengestellt – das ist unsere litauische Odyssee.“
Für die Macher des Stücks ist jedoch nicht nur das Märchen selbst von Bedeutung. Noch wichtiger ist: Was geschieht, wenn ein Märchen an einem Ort entsteht, den die Menschen so gewohnt sind zu sehen, dass er für sie selbstverständlich ist? Die Regisseurin Monika Steponavičiūtė berichtet, dass die ersten Begegnungen mit den Bewohnern von Bandužiai etwas Unerwartetes offenbarten: „Die Magie findet bereits im Hof statt. Die Bewohner sind bereit, über ihre Balkone Strom zu teilen, und in die Blumenbeete kommt die schwarze Katze aus der Nachbarschaft. Und die Kinder, die sehen, wie wir den Drehort fotografieren, glauben, wir seien ‚Google Maps‘.“
Kinder sehen ihren Hof noch immer als einen Ort, an dem etwas Interessantes passieren kann. „KiemArta“ möchte, dass auch Erwachsene diese Sichtweise wiedergewinnen. Den Initiatoren des Projekts zufolge sollte der Hof nicht nur eine Zwischenstation zwischen dem Auto und der Wohnung sein. Er ist einer der wenigen öffentlichen Räume, in denen unterschiedliche Menschen tagtäglich nebeneinander leben. Das Zusammenleben bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man auch wirklich zusammen ist. Die Regisseurin Jurgita Rudėnaitė erklärt, dass genau diese Begegnung angestrebt wird: „Wir möchten beim Zuschauer das Gefühl wecken, dass in jedem Hof Magie existiert. Wir möchten eine Prise Magie in den Teig für die abendlichen Pfannkuchen streuen.“
„Bis ich nach Hause komme“ richtet sich bewusst nicht nur an das traditionelle Theaterpublikum. In den märchenhaften Innenhof sind Kinder, Senioren, Nachbarn und all jene eingeladen, die bisher noch keinen Anlass hatten, in Bandužiai nach Kultur zu suchen.
Die Macher von „KiemArta“ erleben selbst, dass ein solches gemeinsames Erleben nicht nur den Zuschauer verändert. Im Rahmen des Projekts haben sich junge Künstler aus verschiedenen Bereichen des Theaters zusammengeschlossen, die gemeinsam lernen, nicht im Wettbewerb, sondern im gegenseitigen Vertrauen zu schaffen. Die Bühnenbildnerin Maja Kriaučiūnaitė: „Normalerweise herrscht an der Akademie viel Konkurrenz und Anspannung, doch hier gibt es so viele junge, ehrgeizige Künstler, die alle zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.“
„Bis ich nach Hause komme“ – ein Theaterstück über die Rückkehr.
Nicht nur die Rückkehr der Märchenhelden, sondern auch unsere eigene Rückkehr an einen Ort, der uns tagtäglich vor Augen steht.
Am 27. August um 18:30 Uhr wird der „Kaulinis Senis“ in den Innenhöfen der Jūrininkų-Allee 6 und der Lūžų-Straße 4 zu Gast sein. Die Veranstaltung ist kostenlos und steht allen offen.
Vielleicht lohnt es sich, einmal vorbeizukommen und zu schauen, ob in Ihrem Garten noch Platz für ein Märchen ist.
„KiemArta“ 2026 – ein gemeinsames Projekt des Jugendtheaters Klaipėda, der Litauischen Akademie für Musik und Theater, der öffentlichen Einrichtung „Meno banga“ und der studentischen Kreativgruppe „Ašaka“. Das Projekt wird teilweise von der Stadtverwaltung Klaipėda finanziert. „KiemArta“ findet bereits zum zweiten Mal statt.
Unsere Veranstaltung wird unterstützt von: „Biržų duona“, ME2U Snacks, „Būkčia kombučia“, Baltic Palettes und der Kulturfabrik Klaipėda.
Das Kreativteam
Orestas Streikus, Matas Jeremičius, Agnė Virkutytė, Motiejus Aškelovičius, Pijus Šiaulys, Medeinė Marija Gavrilovė, Viktorija Aliukonytė, Adomas Jakovlevas, Emilija Ieva Giedraitytė, Goda Dambrauskaitė, Emilija Žuravliovaitė, Dita Klinkaitė, Jonas Rakauskas, Amelija Ramonaitė, Džiugas Šveikauskas, Vytautė Lukošaitytė, Emilija Griškonytė, Simas Zokaitis, Miglė Cirulytė, Aurelija Šiškaitė, Lukrecija Penkauskaitė, Simona Grigoryan, Jurgita Rudėnaitė, Monika Steponavičiūtė, Danielė Kairytė, Ugnė Daukšaitė, Simonas Kukys, Gerda Dapkūnaitė, Rugilė Kasputytė, Urtė Kliaudaitytė, Ieva Zubaitytė, Maja Kriaučiūnaitė, Nika Shilova, Robertas Tamošiūnas, Laimis Kuzmickas, Martynas Mockevičius
Autor der Fotos: Ignas Aleinikovas.
Der Bericht wurde erstellt von
Kreativteam Ašaka
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